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NORMA / Vincenzo Bellini
Vincenzo Bellinis achte Oper, Norma, ist in musikalischer und inhaltlicher Anlage zum Paradewerk des Belcanto geworden: Hin- und hergerissen zwischen öffentlicher Pflicht und privater Passion zerbricht die Hauptfigur an ihren Entscheidungen. Denn Norma, Priesterin und Orakel, will ihre gallischen Landsleute von einem Aufstand gegen die römischen Besatzer abhalten – und so ihren Geliebten schützen, den römischen Prokonsul Pollione. Normas geheimes Doppelleben als Mutter zweier Kinder des Prokonsuls und als keusche Priesterin der Gallier wird unmöglich, als Pollione auch die gallische Novizin Adalgisa verführt. Norma gerät in einen Strudel aus Rachegefühlen, Leidenschaft und Vernichtungswahn.
Hausregisseurin Elisabeth Stöppler zeichnet in starken Bildern den Leidensweg Normas nach. Dabei hilft die neu-rekonstruierte Urfassung der Oper, die die Beziehung der beiden unterschiedlichen Frauen zueinander genauer auslotet. Nadja Stefanoff als Norma und Marie-Christine Haase als Adalgisa beglaubigen dabei die berührenden Schicksale der Figuren. Der Welt der Römer, die nur durch Pollione und dessen Begleiter Flavio im „gallischen Hain“ repräsentiert wird, werden Texte von Pier Paolo Pasolini zugeordnet – der zwischen den 1950er und 70er Jahren in Italien als politischer Außenseiter mahnende Stimme für einen Ideologiewechsel war. Ästhetisch spielt die Inszenierungen u.a. mit der Bildwelt der Performancekünstlerin Marina Abramović, die in ihren frühen, den Körper radikal ausstellenden, und ihren späten von extremer Konzentriertheit geprägten Arbeiten eine Art proto-religiöses Vorbild bildet. Norma, die Heilige, die Leidende, die Sich-Opfernde, steht im Zentrum des Abends.
Norma In Mainz

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